Konzert-Review: Rhapsody in Blue in der Händelhalle

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  1. Februar 2020, Staatskapelle Halle – Barber, Gershwin, Rachmaninow

Intro des Konzertabends war vom Komponisten des oft strapazierten „Adagios for Strings“ die Ouvertüre zu „The School for Scandal“. Samuel Barber nimmt hier Witz und Verve des Schauspiels auf. Mit diesem Stück des Neoromantikers stimmte das Orchester das Publikum akkurat ein.

Vom zweiten Komponisten des Abends wurden die Variationen über den Jazzstandard „I Got Rhythm“ und die Rhapsody in Blue aufgeführt. Der Geist von Swing, Bigband, Groove und perlenden Tönen des Manns am Piano schimmerte durch den klassischen Ernst. Eins habe ich mich bei diesem Gershwin gefragt: Warum verstehen wir es so wenig, das Gefühl des großen amerikanischen Traums, des Schwärmens und der Macht zu erwecken?
Werden wir es je schaffen, der Sklaverei des Systems, der Enge und Zwänge, welche das verhindern, zu entkommen? Ich habe dieses Gefühl schon erlebt, auch wenn zu erwähnen es hier seltsam erscheint, es war das Jahrhundertereignis des Falls der Mauer. Sie erinnern sich, vor dreißig Jahren?

Frank Dupree war an diesem Abend Unterhaltungskünstler mit Leib und Seele. Hier hatte er etwas sehr Amerikanisches – mit deutscher Prägung! Ob es aber funktioniert, im einen Konzert Brahms 2. Klavierkonzert mit „Tiefgang“ zu spielen, im anderen eben dieser Unterhaltungskünstler zu sein? Gershwin liegt genau dazwischen, wie der junge Solist im Anschluss beschrieb. Dessen begeistert aufgenommene Zugaben voller Spontaneität zeigten Spielfreude und bewundernswerte Vollendung.

Während ich das hier zu Papier bringe, denke ich, eigentlich soll ich nur schreiben, was er/sie hier hören will/wollen. In der Psychologie nennt man das Übertragung – ich soll jetzt jenes tun, was das Publikum normalerweise vom Musiker wünscht: Er soll das darbieten, was es erwartet. Nämlich soll ihm geschmeichelt werden.

Sergej Rachmaninow war nun gar nicht nach Schmeicheln zumute gewesen. Fern der russischen Heimat hatte er unter deren Verlust gelitten und ward in seiner Musik ein Grenzgänger zwischen Schwermut und Hoffnung. Klangfarben unterschiedlichster Harmonien und Kombinationen von Instrumenten und Registern wechselten, der Strom der Töne schwoll an und ab. Hierbei gefiel mir, dass das Orchester nicht, wie ich es sonst kannte, bis an die Grenzen ging, um alles mit seiner Klanggewalt hinwegzufegen, sondern noch Raum für individuelle Empfindung der Musik ließ. Diese stand bei Christian Vásquez stärker im Mittelpunkt, als man es bei manch anderem Dirigenten meint. Das Publikum dankte es ihm und den Musikern mit lang anhaltendem Applaus.

Kristian Fritzsch

6. Sinfoniekonzert am 16. April 2018

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Bewegung. So lautete scheinbar das Motto des 6. Sinfoniekonzerts. Gleich zu Beginn kam Gastdirigent Rune Bergmann im flotten Trab auf die Bühne und eröffnete den Abend mit Beethovens Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“. Das Auffällige: auf dem Pult fehlten die Noten. Später sollte auch noch das Pult verschwinden. Wer sich an den Inhalt von Goethes Klassiker deutscher Literatur erinnert, kann auch dort das Motiv der Bewegung wiederfinden: Ein Volk in Aufruhr, die Niederländer erheben sich gegen die spanische Herrschaft. Doch der Preis der Freiheit ist hoch. Er fordert das Leben Egmonts und seiner Geliebten Klärchen. Bewegend blieb es auch im zweiten Stück, Alban Bergs Violinenkonzert Dem Andenken eines Engels. Ursprünglich komponiert zu Ehren der früh an Kinderlähmung verstorbenen Manon Gropius, stellt dieses Stück die Verbindung dar zwischen der Egmont-Ouvertüre und Beethovens 7. Sinfonie. Wird der Tod Klärchens betrauert? Oder spiegelt sich in der höchst emotionalen Musik das Leid des durch den Krieg zerrissenen Volkes wieder? Die Interpretation bleibt letztlich jedem offen. In der 7. Sinfonie ist es schließlich so weit: Die Freiheit siegt, die Unterdrückung hat ein Ende. Das Volk bricht in Jubelschreie aus und auch das Publikum erhebt sich vor Begeisterung und schenkt tosenden Applaus.

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Im Anschluss an das Konzert luden die Freunde der Staatskapelle Rune Bergmann zum Forum „Publikum trifft Musiker“. Der Dirigent zog sowohl Publikum als auch Musiker der Staatskapelle an und konnte sich an großem Lob erfreuen. Es kam ein reger Austausch zustande, bei dem sich ein Großteil der Fragen auf Bergmanns sehr speziellen Dirigier-Stil bezogen. Besonders in der 7. Sinfonie, als weder Pult noch Noten vor ihm waren, wechselte der gebürtige Norweger viel zwischen kleinen, nahezu unscheinbaren Gesten und großen, ausfallenden Bewegungen. Immer wieder machte er einen Satz hin zu den vordersten Pulten, die Augen weit aufgerissen, die Musiker fixiert. Diese wurden unmittelbar in seinen Bann gezogen. Seine Sehkraft ließe mit dem Alter nach, da sei es besser die Noten im Kopf zu haben, scherzte Bergmann. Außerdem genieße er die Bewegungsfreiheit. Die braucht er auch: Er habe viel Spaß an der Musik, er liebt das Dirigieren und diese Freude und Energie versucht er den Musikern zu vermitteln um durch diese das Publikum zu erreichen. Der enge, fast schon intime Kontakt helfe ihm die Stimmung des Orchesters wahrzunehmen und sich darauf einzustellen. Denn er könne nicht einfach über die Köpfe der Musikern hinweg dirigieren: „I can’t just conduct the orchestra, i need to play with the orchestra“. Für die Zusammenarbeit von Vorteil ist Bergmanns umfangreiche musikalische Ausbildung, die das Erlernen von Instrumenten aus verschiedenen Bereichen des Orchesters umfasste. Seine Kenntnisse über Klavier, Trompete und Geige bzw. Bratsche ermöglichen es ihm, seine Gesten entsprechend anzupassen, brauchen doch beispielsweise die Bläser länger für ihren Einsatz als die Streicher. Sein Wissen im Speziellen hilft ihm ein harmonisches Ganzes entstehen zu lassen, bei dem es ganz auf den Schwung ankommt: „It’s all about the Schwung! And every instrument has its own Schwung. I need to keep that in my mind and adjust my movements and gestures to that“. Am Ende versetzte Rune Bergmann sie alle in Schwung.

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Sinfoniekonzert am 5. März 2018

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Bild ForumSilke Boß und Christoph Hartmann im Gespräch mit Yu Sugimoto, Felix Mildenberger, Hossein Pishkar und Alexander Sinan Binder (von links nach rechts)

Sinfoniekonzert am 5. März 2018

Das Orchester erhebt sich, verhaltener Applaus. Vier junge Männer betreten die Bühne. Drei nehmen an der Seite Platz, einer besteigt das Dirigentenpult. Ein kurzes Durchatmen, dann beginnt der erst Satz von Bela Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta.

Bei den vier Dirigenten handelte es sich um Stipendiaten des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats. Im Rahmen eines Meisterkurses unter der Leitung von John Carewe erhielten sie die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Halle Erfahrungen zu sammeln, ihre Fähigkeiten zu schulen und bei den Sinfoniekonzerten am Sonntag und Montag unter Beweis zu stellen.

Es war eine Herausforderung für beide Seiten, Dirigenten und Orchester. In der kurzen Zeit, die ihnen für die gemeinsame Erarbeitung der Werke zur Verfügung stand, mussten die Musiker zwischen gleich vier Dirigenten wechseln – und sich jedes Mal neu einstellen: auf eine andere Art den Takt zu schlagen, auf unterschiedliche musikalische Gestaltung, auf ganz individuelle Gestik und auch auf unterschiedliche Körpergrößen.

Und die Dirigenten? Was war für sie die größere Herausforderung: die anspruchsvolle Auswahl an Werken oder sich als junger Dirigent vor einem erfahrenen Orchester zu behaupten?

Vor ein fremdes Orchester zu treten sei jedes Mal eine ungewohnte Situation, berichten die Stipendiaten im Gespräch. Im Forum „Publikum trifft Musiker“, das von den Freunden der Staatskapelle im Anschluss an das Montagskonzert veranstaltet wird, suchten die Dirigenten den Kontakt zum Publikum und erzählten von ihren Eindrücken. Ob ihr junges Alter für die Zusammenarbeit ein Problem sei? Im Optimalfall nicht. Denn sie alle kommen zusammen um Musik zu machen. Da spielen Herkunft, Aussehen, Geschlecht und auch das Alter keine Rolle. Das Sammeln von Erfahrungen gestaltet sich jedoch etwas schwieriger: „Dirigenten können nicht zu Hause im Zimmer üben. Dirigenten machen Fehler vor 70 Menschen“, erklärt Hossein Pishkar. Aber in dieser Hinsicht zeigte sich die Staatskapelle als äußerst entgegenkommend. Von einem warmen, herzlichen Empfang berichteten die Nachwuchs-Dirigenten und auch der Meister John Carewe sprach während und nach dem Konzert sein Lob aus für die Zusammenarbeit mit und die Unterstützung durch das Orchester. Sie zahlte sich aus: Im Verlauf der Proben gab es eine spürbare Entwicklung und Steigerung der jungen Talente, das bestätigen auch die Musiker.

Und die Auswahl der Stücke? Bartoks Musik wurde satzweise unter den Dirigenten aufgeteilt. Mit ihrer je individuellen Art gelang es ihnen, die verschiedenen Charakteristika der  Sätze hervortreten zu lassen. Nach der Pause präsentierte Yu Sugimoto einen Ausschnitt aus der Suite Goya Negro von Enric Palomar, die sich von Francisco de Goyas düsteren „Schwarzen Bildern“ hat inspirieren lassen. Der Umschwung könnte nicht drastischer sein: Mit Alexander Sinan Binder wurde es verträumt, als er das Publikum in Claude Debussys Nachmittag eines Fauns (Prélude à l’après midi d’un faune) blicken lässt. Zum Abschluss wird es noch einmal tänzerisch: Igor Stravinskys Ballett Petrushka teilen sich die beiden Dirigenten Felix Mildenberger und Hossein Pishkar. Als ob das Werk selbst nicht für sich schon anspruchsvoll genug wäre, setzen die beiden einen oben drauf und machen einen fliegenden Wechsel in der Mitte des Stückes. Weder dem Orchester noch dem Dirigenten blieb viel Zeit für die Umstellung. Sofort waren beide Seiten zur Stelle und voll da.

Am Ende schenkte das Publikum kräftigen Applaus und schnell begann ein reger Austausch, wer wem am besten gefallen habe und warum. In der Diversität der Musik und ihrer Umsetzung durch die Dirigenten war für jeden etwas dabei.

Sophie Gounoue

Mitgliederversammlung der Freunde der Staatskapelle am 20. Februar 2018

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Mitgliederversammlung der Freunde der Staatskapelle am 20. Februar 2018

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Es ist schon eine gute Tradition, dass sich die Freunde der Staatskapelle Halle zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im festlichen Ludwig-Wucherer-Saal in der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau versammeln. Musikalisch umrahmt wurde die Versammlung diesmal durch die Mitglieder der Staatskapelle Prof. Andreas Wehrenfennig (Harfe) und Ralf Mielke (Flöte).

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Prof. Andreas Wehrenfennig (Harfe) und Ralf Mielke (Flöte)

Als Ehrengäste konnten begrüßt werden: Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand, der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau Prof. Dr. Thomas Brockmeier, der Geschäftsführer der TOO GmbH Stefan Rosinski, die Orchesterdirektorin Claudia Brinker sowie der Vorsitzende des Orchestervorstands Fabian Borggrefe.

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Dr. Bernd Wiegand, Stefan Rosinski, Fabian Borggrefe und Christoph Hartmann (von links)

Neben den Berichten des Vorstands und der Entlastung des Vorstands ging es in den Beratungen vor allem um die weitere Entwicklung der Staatskapelle.

Oberbürgermeister Dr. Wiegand betonte, dass die TOO GmbH und insbesondere die Staatskapelle eine hohe Wertschätzung bei ihm und im Stadtrat genießen. Die vorgelegten Planungen, nach denen das Orchester eine Stärke von 115 Musikern umfassen und das Händelfestspielorchester noch stärker profiliert werden wird, wurden daher sowohl vom Kultur- als auch vom Finanzausschuss gebilligt. Es ist auch mit einer positiven Entscheidung zur Zukunft der Staatskapelle im Stadtrat am 28. Februar 2018 zu rechnen. Die Verhandlungen mit Land Sachsen-Anhalt stehen noch aus. Der Oberbürgermeister will sich verstärkt dafür einsetzen, dass die Unterstützung durch das Land wieder in der früheren Höhe von 3 Mio. € gezahlt wird.IMG_3092

Dr. Bernd Wiegand, Stefan Rosinski, Fabian Borggrefe und Christoph Hartmann (von links)

Konstituierende Sitzung

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Der neue Vorstand hat folgende Aufgabenverteilung beschlossen:

Vorsitzender:                     Herr Christoph Hartmann

1.Stellv. Vorsitzende:          Frau Silke Boß

2.Stellv. Vorsitzende:          Frau Elisabeth Thiel, auch Schatzmeisterin

Öffentlichkeitsarbeit:           Frau Theresa Dubberke

Verbindung zur

Staatskapelle:                   Herr Stefan Poldrack

Neuer Vorstand

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Zur Jahresversammlung am 6.3.2017 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Er wird sich am 26.3. konstituieren. Ihm gehören an: Theresa Dubberke, Silke Boß, Elisabeth Thiel, Christoph Hartmann und Stefan Poldrack.

 

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Zu Rechnungsprüfern wurden Petra Nitsch und Dr. Manfred Brümmer gewählt.

Gewinner

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Der Verein hat auch in diesem Jahr wieder vier Konzert-ABOs unter Studenten verlost und ist gespannt auf die Reaktionen am Saisonende.

Das Foto zeigt drei der Gewinner mit dem Vereinsvorsitzenden.

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