6. Sinfoniekonzert am 16. April 2018

Bewegung. So lautete scheinbar das Motto des 6. Sinfoniekonzerts. Gleich zu Beginn kam Gastdirigent Rune Bergmann im flotten Trab auf die Bühne und eröffnete den Abend mit Beethovens Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“. Das Auffällige: auf dem Pult fehlten die Noten. Später sollte auch noch das Pult verschwinden. Wer sich an den Inhalt von Goethes Klassiker deutscher Literatur erinnert, kann auch dort das Motiv der Bewegung wiederfinden: Ein Volk in Aufruhr, die Niederländer erheben sich gegen die spanische Herrschaft. Doch der Preis der Freiheit ist hoch. Er fordert das Leben Egmonts und seiner Geliebten Klärchen. Bewegend blieb es auch im zweiten Stück, Alban Bergs Violinenkonzert Dem Andenken eines Engels. Ursprünglich komponiert zu Ehren der früh an Kinderlähmung verstorbenen Manon Gropius, stellt dieses Stück die Verbindung dar zwischen der Egmont-Ouvertüre und Beethovens 7. Sinfonie. Wird der Tod Klärchens betrauert? Oder spiegelt sich in der höchst emotionalen Musik das Leid des durch den Krieg zerrissenen Volkes wieder? Die Interpretation bleibt letztlich jedem offen. In der 7. Sinfonie ist es schließlich so weit: Die Freiheit siegt, die Unterdrückung hat ein Ende. Das Volk bricht in Jubelschreie aus und auch das Publikum erhebt sich vor Begeisterung und schenkt tosenden Applaus.

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Im Anschluss an das Konzert luden die Freunde der Staatskapelle Rune Bergmann zum Forum „Publikum trifft Musiker“. Der Dirigent zog sowohl Publikum als auch Musiker der Staatskapelle an und konnte sich an großem Lob erfreuen. Es kam ein reger Austausch zustande, bei dem sich ein Großteil der Fragen auf Bergmanns sehr speziellen Dirigier-Stil bezogen. Besonders in der 7. Sinfonie, als weder Pult noch Noten vor ihm waren, wechselte der gebürtige Norweger viel zwischen kleinen, nahezu unscheinbaren Gesten und großen, ausfallenden Bewegungen. Immer wieder machte er einen Satz hin zu den vordersten Pulten, die Augen weit aufgerissen, die Musiker fixiert. Diese wurden unmittelbar in seinen Bann gezogen. Seine Sehkraft ließe mit dem Alter nach, da sei es besser die Noten im Kopf zu haben, scherzte Bergmann. Außerdem genieße er die Bewegungsfreiheit. Die braucht er auch: Er habe viel Spaß an der Musik, er liebt das Dirigieren und diese Freude und Energie versucht er den Musikern zu vermitteln um durch diese das Publikum zu erreichen. Der enge, fast schon intime Kontakt helfe ihm die Stimmung des Orchesters wahrzunehmen und sich darauf einzustellen. Denn er könne nicht einfach über die Köpfe der Musikern hinweg dirigieren: „I can’t just conduct the orchestra, i need to play with the orchestra“. Für die Zusammenarbeit von Vorteil ist Bergmanns umfangreiche musikalische Ausbildung, die das Erlernen von Instrumenten aus verschiedenen Bereichen des Orchesters umfasste. Seine Kenntnisse über Klavier, Trompete und Geige bzw. Bratsche ermöglichen es ihm, seine Gesten entsprechend anzupassen, brauchen doch beispielsweise die Bläser länger für ihren Einsatz als die Streicher. Sein Wissen im Speziellen hilft ihm ein harmonisches Ganzes entstehen zu lassen, bei dem es ganz auf den Schwung ankommt: „It’s all about the Schwung! And every instrument has its own Schwung. I need to keep that in my mind and adjust my movements and gestures to that“. Am Ende versetzte Rune Bergmann sie alle in Schwung.

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