Sinfoniekonzert am 5. März 2018

Bild ForumSilke Boß und Christoph Hartmann im Gespräch mit Yu Sugimoto, Felix Mildenberger, Hossein Pishkar und Alexander Sinan Binder (von links nach rechts)

Sinfoniekonzert am 5. März 2018

Das Orchester erhebt sich, verhaltener Applaus. Vier junge Männer betreten die Bühne. Drei nehmen an der Seite Platz, einer besteigt das Dirigentenpult. Ein kurzes Durchatmen, dann beginnt der erst Satz von Bela Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta.

Bei den vier Dirigenten handelte es sich um Stipendiaten des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats. Im Rahmen eines Meisterkurses unter der Leitung von John Carewe erhielten sie die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Halle Erfahrungen zu sammeln, ihre Fähigkeiten zu schulen und bei den Sinfoniekonzerten am Sonntag und Montag unter Beweis zu stellen.

Es war eine Herausforderung für beide Seiten, Dirigenten und Orchester. In der kurzen Zeit, die ihnen für die gemeinsame Erarbeitung der Werke zur Verfügung stand, mussten die Musiker zwischen gleich vier Dirigenten wechseln – und sich jedes Mal neu einstellen: auf eine andere Art den Takt zu schlagen, auf unterschiedliche musikalische Gestaltung, auf ganz individuelle Gestik und auch auf unterschiedliche Körpergrößen.

Und die Dirigenten? Was war für sie die größere Herausforderung: die anspruchsvolle Auswahl an Werken oder sich als junger Dirigent vor einem erfahrenen Orchester zu behaupten?

Vor ein fremdes Orchester zu treten sei jedes Mal eine ungewohnte Situation, berichten die Stipendiaten im Gespräch. Im Forum „Publikum trifft Musiker“, das von den Freunden der Staatskapelle im Anschluss an das Montagskonzert veranstaltet wird, suchten die Dirigenten den Kontakt zum Publikum und erzählten von ihren Eindrücken. Ob ihr junges Alter für die Zusammenarbeit ein Problem sei? Im Optimalfall nicht. Denn sie alle kommen zusammen um Musik zu machen. Da spielen Herkunft, Aussehen, Geschlecht und auch das Alter keine Rolle. Das Sammeln von Erfahrungen gestaltet sich jedoch etwas schwieriger: „Dirigenten können nicht zu Hause im Zimmer üben. Dirigenten machen Fehler vor 70 Menschen“, erklärt Hossein Pishkar. Aber in dieser Hinsicht zeigte sich die Staatskapelle als äußerst entgegenkommend. Von einem warmen, herzlichen Empfang berichteten die Nachwuchs-Dirigenten und auch der Meister John Carewe sprach während und nach dem Konzert sein Lob aus für die Zusammenarbeit mit und die Unterstützung durch das Orchester. Sie zahlte sich aus: Im Verlauf der Proben gab es eine spürbare Entwicklung und Steigerung der jungen Talente, das bestätigen auch die Musiker.

Und die Auswahl der Stücke? Bartoks Musik wurde satzweise unter den Dirigenten aufgeteilt. Mit ihrer je individuellen Art gelang es ihnen, die verschiedenen Charakteristika der  Sätze hervortreten zu lassen. Nach der Pause präsentierte Yu Sugimoto einen Ausschnitt aus der Suite Goya Negro von Enric Palomar, die sich von Francisco de Goyas düsteren „Schwarzen Bildern“ hat inspirieren lassen. Der Umschwung könnte nicht drastischer sein: Mit Alexander Sinan Binder wurde es verträumt, als er das Publikum in Claude Debussys Nachmittag eines Fauns (Prélude à l’après midi d’un faune) blicken lässt. Zum Abschluss wird es noch einmal tänzerisch: Igor Stravinskys Ballett Petrushka teilen sich die beiden Dirigenten Felix Mildenberger und Hossein Pishkar. Als ob das Werk selbst nicht für sich schon anspruchsvoll genug wäre, setzen die beiden einen oben drauf und machen einen fliegenden Wechsel in der Mitte des Stückes. Weder dem Orchester noch dem Dirigenten blieb viel Zeit für die Umstellung. Sofort waren beide Seiten zur Stelle und voll da.

Am Ende schenkte das Publikum kräftigen Applaus und schnell begann ein reger Austausch, wer wem am besten gefallen habe und warum. In der Diversität der Musik und ihrer Umsetzung durch die Dirigenten war für jeden etwas dabei.

Sophie Gounoue

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